Reiseblog Gozo/Malta

In diesem Reisblog beschreibe ich besondere Eindrück, die ich auf meinen fast jährlichen Reisen nach Gozo/Malta erlebe. Es sind Alltagserlebnisse, die mir wie Juwelen erscheinen, die von mir aufgesammelt und behutsam zu einer Goldkette des Staunens und Freude gefädelt werden. Enjoy die Schönheit, Freude und Liebe!

Weitere Fotos auch hier zu finden.

26. Okt. 2016, Xlendi, Gozo
Leg mich ins Bett, ruhe. Die Abendsonne scheint warm in unser Zimmer. Plötzlich taucht vor meinem inneren Auge ein Tor auf, das mich reinzieht, als würde ich in einen Tunnel reingezogen. Gesichter aus verschiedenen Epochen flitzen an mir vorüber – und plötzlich, als ich das Gefühl hab, sehr tief gereist zu sein, dreht sich der Sog um und aus der Tiefe kommen mir wie Tempelaltäre entgegen, wie ein Altar, der aus dem anderen herauswächst – wie der Haupttempel von Tarxien. Und plötzlich taucht SIEauf: eine Göttin im Prachtgewand, dieselbe, die morgens immer in meinem Solarplexus sichtbar ist!!!Goldene Prachtgewänder mit Bischofsmütze wie eine Krone tragend, auf einem Thron sitzend. Dieser entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Roller mit breitem Sitz und Armlehnen wie eben ein Thron. Sie spricht zu mir und ich darf sie etwas fragen. Ihr Antwort:

SEI SORGSAM.
Und fang bei DIR AN.
Es geht noch mehr (…meint sie, nachdem ich genauer nachfrage, weil ich mich selber als sehr sorgsam empfinde. JA, ich bin jetzt auch schon sorgsam!)

Betreffend Alexander meint sie, „liebe ihn ehrlich“. Ihn zum Arbeiten einzuladen oder zum Essen, ist das nicht. Einen gemeinsamenAusflug machen, das stimmt mehr.

Und dann ist sie auf einem Schlag wieder weg und kann auch nicht geholt werden. Ist ein Geschenk dieser Insel, dieser Zeit, dieses Raumes. Wow!!

2. Nov., Katalar, Malta
Gestern bin ich nach Katalar gefahren. Hab, wie jetzt schon mehrmals, einfach tags davor den Reiseführer aufgeschlagen mit der Frage: wo sollte ich die letzten Tage in Malta verbringen? Katalar war zuerst eine Enttäuschung. Noch nie gehört schien es mir zu beliebig. Zweifelte kurz daran, dass meine Fragetellung wirklich aus der Leere heraus kam bzw. „mir der Ort besonders große Freude ermöglich!“. Ein kurzer Quercheck bestätigt es allerdings.Dann fand ich es  gut, dass es in der Nähe von Valletta ist und ich also gut und zentral mit den Bussen weiterhin durchs ganze Land reisen kann. Und die Anreise schien auch nicht so beschwerlich, mit meinem riesen Koffer. Eine einzige Unterkunft scheint in meinem Reiseführer auf. Ich goggelte danach, fragte die Reisestimmen von Booking com und begann schließlich eine Preisverhandlung. Alles ging leicht, also zog ich los.

Meine Anreise war dann gleich auch eine Sightseeingtour mit dem öffentlichen Bus. So fuhr ich zufällilg durch die großangelegte Plan-Stadt Smart City Malta. Was wohl von den engagierten Plänen umgesetzt werden wird? Mir schien als würde die Tempoverringerung durch viele Straßenschwellen das einzig spürbare dieser ultramodernen Stadt sein. Wissenscluster wird hier aufgebaut, les ich später.Ein hochmoderner Gebäudekomplex wirkt eher wir eine Filmkulisse. Wohl beeindruckend, so direkt am Meer gelegen!

Ich bin die letzte im Bus. Der Chauffeur fragt mich, in welches Hotel ich denn wolle? Villa del Porto kennt er und bleibt gleich davor stehen. Umständllich steige ich aus, mit meinen gefühlten 100 kg Gepäck am Rücken und an der Hand. Durch den umsichtigen Chauffeur erspare mir gut 100 m Fußweg. Ja, die Malteser*innen sind sehr hilfsbereicht und entgegenkommend.

011120163723Das Zimmer passt perfekt für mich, das Gastgeber trägt mir Koffer & Co aufs Zimmer, ich fühl mich sehr wohl.

Nachmittags: Obst-Suche
Ich bin sehr müde, hab Bauchweh von dem flavord-Yoghurtgetränk und will Obst kaufen. Zuerst komm ich nur zum nächsten offenen Laden, der hat jetzt Wasser in 3 lt Verpackug um 1:20 Euro. Bisher Malta_Nov. 2016_Kalkara mit Meerblickkostete 1 Liter soviel! Trage es gleich nach Hause, trinke einen Liter, leg mich kurz hin und geh dann nochmals auf Obst-Findung. Vorher mache ich noch wunderschönne Fotos von meinem Balkönchen, mit Blick – Seitenblick – auf den kleinen Hafen. Ein typisches maltesisches Boot liegt auch davor, neben den kleinen und großen Jachten. Wie hübsch und praktisch, denke ich, so erspar ich mir vielleicht den Weg 021120163753nach
Marsaxlokk….

Meine Tour führt mich den Hafen entlang Richtung Birgu.Komme in Katalar an einer Bar vorbei. Ein Auto bleibt stehen, die Musik daraus schallt durch den ganzen Hafen. Ein sehr dünner und ein sehr dicker Mann steigen erhobenen Hauptes aus. Schauen sich kauend um, sehen mich. Der Dicke ruft mir zu:“Hello. From where you come?“ Er ist unappetittlich, aber dieSituation ist so komisch, dass ich lächeln muss. Ich überlege kurz. Wenn ich sage „from germany“, dann findet er mich sicher nie.
„From Spain?“höre ich ihn schrein. Das gefällt mir und ich bejahe lachend. Gehe weiter, betrachte mich und versuche das spanische an mir zu finden: der weiße weite Schal?Der durchsichtige Rock? Mein Gang? Vor einigen Tagen wurde ich gefragt, ob ich aus Frankreich käme. Wie gut, dass ich so international aussehe! Ich schlendere weiter nach Birgu.

Ja, das Städtchen, bei uns wäre das maximal ein Dorf, ist wirkich entzückend!Und Touristen sind hier rar. Und Geschäfte mit Obst ebenso. Entdecke alles mögliche, meist viel billiger als in Valletta, erfraue mich an den Pflanztöpfen in den engen Gassen, muss an die Toscana denken, schaut ähnlich aus hier. Bis ich zum Hafen komme. Der erinnert an Nizza. Dort war ich zwar noch nie, aber so stell ich mir einen Millionärssegeljachthafen vor. Schwimmende Luxusrestaurants, äh, Wohnungen. Warum gelingt es mir nicht, soviel Geld zu haben, dass so ein Ding selbstverständlich als Geldanlage gebraucht wird?Auch wenn ich damit nicht glücklicher wäre, cool ist es allemal.

Schau mir die schönen Restaurants an, luge in den Yachtstore, vielleicht hat der Obst?Nein, nicht mal aus Plastik…..

Meinen jammernden Bauch liebhabend geh ich eine lange steile Treppe hoch und bin wieder auf dem Hauptplatz. Biege durch eine Nebenstraße ein, ein Jagur hat sich zwischen die engen Häuserreihen geklemmt. Durchs offene Fenster seh ich in eine moderne Küche mit 2 Frauen am Tisch sitzend. Die eine schaut fern, die andere liest. Hm, gehört ihnen das Auto??? Ich höre Vögel zwitschern, wie abends in Victoria oder Valletta, dort, wo einige Bäume in einer kleinen Gruppe zusammenstehen. Das Zwitschern wird immer lauter, allerdings sind hier keine Bäume in Sicht. Als ich um die nächste Ecke biege, seh ich ein offenen Tor zu einem garagenähnlichen Raum . Darin stehen auf mehreren Regalen unzählige Vogelkäfige! Ein Mann befindet sich darin, füttert er sie gerade? Er schaut kurz auf zu mir und geht dann unbeindruckt seiner Tätigkeit nach. Langsam verklingt das Gezwitscher und ich bin wieder etwas ratlos. Soll ich was sagen?Mit ihm Reden? Ihn fragen, was er da tut?Und Warum? Schon die Gedanken verstärken mein Bauchweh, also geh ich, kräftig ausatmend, weiter. Mir fällt die Begegnung vor gut einer Stunde, am Hafen von Katalar ein: ich sehe einen alten kleinen dicken Mann über die Straße schlurfen. In der einen Han021120163760d eine alte Holzstange mit zwei rostigen Hacken ein einem Ende. In der anderen Hand einen Vogelkäfig!! Wie eine Handtasche oder einen vollen Einkaufskorb…..Ich schau genauer hin und seh einen wunderschönen Vogel mit blitzblauem Gefieder darin! What are you doing with the small animal, will ich ihm nachrufen, da is er schon in seinem Hauseingang verschwunden.

Ich schlendere durch eine sehr enge Gasse, die gerade verläuft. Sehe von weitem, wie ein alter Mann langsam aus einem der Haustüren herauskommt, mit einem Besen in der Hand. Als würde er abends für kurze Zeit seine kleine Wohnung verlassen, um auf der Gasse frische Luft zu schnappen. Beschwerlich ist er die einzige Treppe runtergestiegen und steht jetzt auf der Straße. Er beginn direkt neben der Treppe zu kehren. Er sieht mich, hält kurz inne, scheint mich ganz zart anzulächlen, ich grüße. Macht man bei uns im Dorf auch! Erst jetzt sehe ich, dass er eine Zigarette im Mund hat. Er fingert eine Streichholzschalter aus seiner alten Hosentasche heraus und zündet die Zigarette an. Dann kehr er weiter, seine 1 x 1 m, rund um sein Treppchen. Die Nachbarn haben Pflanztöpfe vor ihren Treppchen stehen, da komm das eine oder ander welke Blatt rüber zu ihm. Säuberlich kehrt er es weg.  Verzaubert geh ich zärtlich weiter.

Obst. Wo gibt es hier Obst?
Als ich wieder fast am Orts-äh – Stadtende bin, geh ich nochmals beherzt in einen offenen Store. Der Mann hinter der Theke bedient grade eine ältere Dame mit gepflegtem Kurzhaarschnitt vor mir. Ich frage nach Obst. Er bittet um einen Moment und gleichzeitig beschreibt er mir, welcher Store an welchem Tag zu welcher Uhrzeit Obst verkauft. Vielleicht. Plötzlich dreht sich der gepflegte blonde Kurzhaarschnitt um  – und ich erstarre vor Staunen. Ein derart uraltes faltiges Frauengesicht blickt mich an, dass ich mich augenblicklich in das Märchen von Hänsel und Gretel und der Hexe versetzt fühle. Sie fängt an mit mir zu sprechen und erklärt mir dasselbe, was der Mann mir grade sagte, nochmals. Jetzt kann ich sie länger betrachten und sehe das engagiert geschminkte Gesicht zwischen den Falten, den großzügigen Schmuck an Ohren, Hals und Händen und, das Highlight, die french nails!!!Jeden in einem anderen Muster, fein abgestimmt, wie ein Gemälde. Und dazu: einen Zahn.Ja, ein schwarzer Zahn grinst mich aus diesem einzigarten Kunstwerk heraus an als würde er mich fragen: und, was zahlst du deiner Zahnärztin????

Ich bedanke mich höflich und taumle aus dem Laden. Gemerkt hab ich mir nix, außer dass Rita, von der ich nicht weiß, wo sie sich genau befindet, Freitag morgens Obst hat. Wenn sie offen  hat.

Beeindruckt von den Persönlichkeiten von Birgu verlasse ich es wieder. Obst. Wann und wo krieg ich Obst?? Komme bei einem großen Plakat vorbei, das mir freudig erklärt, dass es Samstags und Dienstags vormittags hier einen Bauernmarkt gibt Ich blicke es grimmig an. Jetzt ist Dienstag abend und Samstag bin ich schon wieder im Mühlviertel. Resigniert und gefasst geh ich weiter –  und sehe einen Lastwagen mit Obst vor mir!!!!!JA!!Da ist er!!!Jetzt braucht ich nur noch die Straße überqueren. Ermutigt von meiner freudigen Entdeckung, wag ich es, die breite, unübersichtliche Straßenkreuzung zu überqueren. Verlasse mich auf mein Gehör, dann einsichtig sind die 4 Straßenzüge, die hier zusammenkommen, nicht. Und ich kann nicht, so kurz vor meinem Ziel, an einem fehlenden Zebrastreifen scheitern! Und es ist nicht nur das Uneinsichtige, das hier etwas Respekt erfordert, es ist vor allem die Fahrweise der Einheimischen: die30 kmh werden als Mindestgeschwindigkeit angesehen und vor allem von den Busfahrern gedopt. Ich hab Glück, kaufe überglücklich Tomaten aus Malta und Weintrauben aus irgendwo. Die Tomaten schmecken ürigends so gut, dass ich nochmals welche kaufen werden. (dachte ich, nicht wissend, dass dieses Obstlastwagen nur fallweise hier steht!) Das nächste mal werde ich gleich auf der richtigen Straßenseite losgehen , dann erspar ich mir einmal einen Adrenalin-Schub.

Vergesse, dass ich eine Leinentasche in meiner Tasche habe, nehme unhinterfragt das Plastiksackerl mit dem Obstgemüse und spaziere glücklich nach Hause. Dort falle ich um 18 Uhr ins Bett und wache um 4:14 Uhr dasw nächste mal auf. Ohne Bauchweh. Und um 8:30 Uhr bin ich ausgeschlafen. Was für ein guter Tag! Der Traum war auch mächtig. Das hab ich mir gemerkt. Mehr brauch ich nicht, die Horizont-Erweiterung wirkt sowieso schon, auch wenn ichs noch nicht sehe. Meine Absicht genügt. Götin sei dank. Was für ein guter Tag!

3. Nov. 2016, Malta, Birgu:

011120163733…..Genussvoll flaniere ich durch die engen Gäßchen von Birgu. Plötzlich fährt hinter mir ein Auto in diese Gasse. Ungläubig blicke ich zurück und hüpfe instinktiv auf die oberste Treppe des nächstgelegenen Hauseinganges. Ein dicker Mann schlendert ebenfalls durch dieselbe Gasse und geht lässig einen Schritt zur Seite. Das Auto fährt durch, ohne die Geschwindigkeit zu verändern und den Mann zu überfahren. Unglaublich…